Mathe-Angst verstehen und überwinden
„Ich bin halt kein Mathe-Mensch“ – ein Satz, der mehr blockiert als jede schwere Aufgabe. Warum Mathe-Angst entsteht und wie man sie als Mathematikerin und Coach auflöst.
Kein Schulfach löst so viel Angst aus wie Mathematik. Ich erlebe das seit über zwanzig Jahren – erst als Nachhilfelehrerin, heute als Coach. Und ich sage es bewusst als Mathematikerin: Niemand ist „zu dumm für Mathe“. Was Menschen blockiert, ist fast nie das Fach selbst. Es ist die Angst davor.
Der gefährlichste Satz: „Ich bin kein Mathe-Mensch“
Dieser eine Satz richtet mehr Schaden an als jede komplizierte Gleichung. Denn er ist ein Glaubenssatz – eine feste Überzeugung über sich selbst. Und Glaubenssätze wirken wie selbsterfüllende Prophezeiungen.
Wer überzeugt ist, kein Mathe-Mensch zu sein, geht mit innerer Anspannung an jede Aufgabe heran. Diese Anspannung erzeugt genau die Stressreaktion, die das klare Denken blockiert. Die Aufgabe misslingt – und der Glaubenssatz fühlt sich bestätigt. So schließt sich der Kreis, und er wird mit jeder Runde stärker.
Warum gerade Mathematik so anfällig ist
Mathematik hat ein paar Eigenschaften, die Angst besonders begünstigen:
- Sie baut aufeinander auf. Wer einmal den Anschluss verliert, hat das Gefühl, alles Folgende nicht mehr zu verstehen – das erzeugt Druck.
- Sie gilt als „richtig oder falsch“. Anders als in einem Aufsatz scheint es kein „fast richtig“ zu geben. Das macht Fehler bedrohlicher, als sie sind.
- Sie ist gesellschaftlich aufgeladen. „Mathe konnte ich noch nie“ ist ein fast stolz vorgetragener Satz – und Kinder übernehmen diese Haltung von den Erwachsenen um sie herum.
Vom Defizitblick zum Ressourcenblick
Im systemischen Coaching arbeiten wir nicht daran, was jemand alles nicht kann. Wir suchen nach dem, was schon funktioniert. Das klingt klein, verändert aber alles.
Statt zu fragen „Warum verstehe ich das nicht?“ fragen wir: „Wann ist mir Mathe schon einmal leichter gefallen? Was war da anders?“ Fast jeder findet solche Momente – eine Aufgabe, die plötzlich Klick gemacht hat, ein Thema, das Spaß gemacht hat. Diese Momente sind keine Zufälle. Sie sind Hinweise darauf, unter welchen Bedingungen das Lernen gelingt.
Erste Schritte, die du heute gehen kannst
Du musst nicht warten, bis sich dein ganzes Verhältnis zu Mathematik ändert. Beginne klein:
- Beobachte deinen inneren Satz. Wenn „Ich kann das nicht“ auftaucht, benenne ihn: „Das ist mein alter Mathe-Satz.“ Allein das schafft Abstand.
- Formuliere ihn um. Aus „Ich bin kein Mathe-Mensch“ wird „Ich übe noch.“ Aus „Das kann ich nicht“ wird „Das kann ich noch nicht.“ Das kleine Wort „noch“ öffnet die Tür.
- Such dir den leichtesten Einstieg. Beginne nicht mit der Aufgabe, die dir am meisten Angst macht, sondern mit einer, die du schaffst. Erfolg erzeugt Mut – und Mut erzeugt Zugang.
Mathe-Angst ist veränderbar
Ich habe viele Menschen begleitet, die felsenfest überzeugt waren, „einfach kein Talent“ zu haben – und die später entspannt in Prüfungen gegangen sind. Nicht, weil sie plötzlich andere Menschen wurden, sondern weil sie gelernt haben, der Angst die Macht zu nehmen.
Das Können war immer schon da. Es brauchte nur einen anderen Zugang.
Wenn du oder dein Kind mit Mathe-Angst kämpft: In einem kostenlosen Erstgespräch finden wir gemeinsam heraus, wo dieser Zugang liegt.
Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine medizinische oder psychotherapeutische Behandlung.
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